Ungleichbehandlung im Straßenverkehr
Nach den vielen konkreten Alltagserlebnissen möchte ich in diesem Beitrag einen Schritt zurücktreten – und fragen: Warum ist das eigentlich so ungerecht verteilt?
Wer bekommt Platz, Zeit und Aufmerksamkeit?
Als Fußgängerin merke ich jeden Tag, wie unterschiedlich der Straßenraum verteilt ist. Während Autos breite Fahrbahnen, Parkflächen, grüne Wellen und klare Vorfahrt genießen, müssen Fußgänger/innen oft warten, ausweichen oder gefährliche Kompromisse eingehen.
1. Wer darf warten – wer darf fahren?
Bei vielen Ampeln spüren Fußgänger/innen die Ungleichbehandlung besonders deutlich.
Grüne Ampelphasen sind oft zu kurz, kommen spät – oder fehlen ganz.
Beispiel: An der Ampel gegenüber vom Bahnhof Offenburg muss ich oft über 90 Sekunden warten. Für Autofahrende gibt es in der gleichen Zeit drei Grünphasen.
Die Botschaft ist klar: Wer zu Fuß geht, hat Zeit. Wer fährt, hat Vorrang.
Dabei müsste es genau andersherum sein – aus gesundheitlicher, ökologischer und städtebaulicher Sicht.
2. Platzverteilung: schmaler Gehweg vs. breite Fahrbahn
In vielen Straßen dominiert das Auto den Raum.
Selbst wenn nur ein Drittel der Menschen mit dem Auto unterwegs ist, bekommt es zwei Drittel der Fläche.
Gehwege sind oft so schmal, dass man anderen Menschen, Kinderwagen oder Rollstühlen kaum ausweichen kann.
In zahlreichen Straßen ist der Gehweg kaum 1 Meter breit – dafür zwei Fahrspuren plus Parkplätze auf beiden Seiten.
Wo bleibt hier die Gerechtigkeit?
3. Sichtbarkeit im Stadtbild
Was auffällt: Das Straßenbild ist autogerecht gestaltet.
Parkplätze und Fahrbahnen sind klar markiert und werden überwacht.
Aber:
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Gehwege werden zugeparkt, ohne dass es Konsequenzen gibt.
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Es fehlen Markierungen für Fußgängerquerungen.
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Schilder wie „Achtung Fußgänger“ oder „Spielstraße“ werden ignoriert – oder fehlen komplett.
Dabei bewegen sich Fußgänger/innen völlig ohne Lärm oder Licht durch die Stadt – wir sind auf Sichtbarkeit angewiesen, werden aber oft übersehen.
4. Förderungen & politische Prioritäten
Autos bekommen steuerliche Vorteile, Prämien und viel politischen Rückhalt.
Radverkehr wird zunehmend gefördert – das ist gut.
Doch für Fußgänger/innen gibt es kaum strukturelle Unterstützung:
Keine Prämien, keine Verbesserungsprogramme, kaum Lobby.
Warum nicht mal 5 € im Monat für jeden, der regelmäßig zu Fuß geht?
Oder ein kommunales Programm für sichere Gehwege und Querungen?
Fazit: Es geht um mehr als nur Fortbewegung
Diese Ungleichbehandlung betrifft nicht nur den Komfort, sondern auch Sicherheit, Gesundheit und Teilhabe.
Wer zu Fuß geht, sollte nicht benachteiligt, sondern unterstützt werden.
Denn jeder Weg zu Fuß spart CO₂, entlastet die Stadt und fördert die Gesundheit – das verdient Anerkennung und Platz.
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